Spazieren mit Baby oder “Warum kacken die sich immer ein?”

Ich konnte nach dem Kaiserschnitt endlich wieder vernünftig laufen. Der Urlaub meines Mannes war leider schon vorbei und ich war mit unserer kleinen Pamperspupserin auf mich allein gestellt. Und was macht man als frischgebackene Mutti? Genau! Spazieren gehen. Ich hab' das bestimmt jahrelang nicht mehr gemacht. Meine einzigen Spazierwege waren vom Schlafzimmer ins Bad und dann in die Küche und ab auf die Couch. Aber auch draußen gab es diese Spazierwege: von der Haustür zum Auto und fertig!

Aber nun war ich eine Mami und das steht ganz oben auf jeder To-Do-Liste einer Mutti: spazieren gehen. Das muss man sich nicht mal vornehmen, dass ist wie der Pressdrang während der Geburt eine ganz natürliche Sache. Ich hab's auch grad mal gegoogelt und tatsächlich: mehrere Seiten nur zum Thema "spazieren mit Baby". Es ist eine Wissenschaft für sich. Einen Vorteil hat es: man bewegt sich und kommt wenigstens ein bisschen wieder in Form. Ich hatte noch einen ganz anderen persönlichen Vorteil, ich habe 2 Jahre nachdem wir aus Münster weggezogen sind, eeendlich unser kleines Dörfchen kennengelernt.

Also wie läuft das mit dem spazieren gehen? Schuhe an und los? Neeein...so leicht ist es nicht. Erstmal muss das Baby gestillt werden. Meine absolute Horrorvorstellung als frischgebackene Mami war es, dass mein Baby draußen weint. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht die Angst, es nicht beruhigen zu können und das ganze Dorf starrt dich an, wie du, Rabenmutter, da schwitzend und mit Stressflecken im Gesicht versuchst dieses schreiende Etwas zu beruhigen. Alle tuscheln und geben Tipps, wie man es besser machen kann. Im nachhinein total alberne Gedanken, aber so war's eben.

Zuckersüße Babyklamotten

So, das Kind ist satt. Dann kommt der nächste große Schritt. Das Baby muss angezogen werden. Die ersten Teile, die man sich holt sind nämlich suuuper schick und zuckersüß und furchbar stylisch und noch dazu mega unpraktisch. Aber das weiß man nicht, wenn man vollgepumpt mit Schwangerschaftshormonen in der Baby-Klamotten-Abteilung steht und shoppt und shoppt und shoppt. Die Sachen haben Knöpfe an den dämlichsten Stellen, Rüschchen und Kaputzen, die das Baby im liegen stören. Sämtliche Teile muss man komplett an- und ausziehen, nur um das Baby zu wickeln.

So und dann versucht man das zuckersüße Baby in diese zuckersüßen Teile reinzuquetschen. Das Baby brüllt, die Mutter schwitzt und hat Angst dem Kind die Arme auszukugeln. Puuhhh... geschafft und das Baby ist sogar unversehrt aus der ganzen Aktion rausgekommen. Und noch dazu sieht das Baby wunderschön aus. Knips - noch das 348te Foto geschossen und los geht's.

Die Kacke dampft

Nur leider habe ich eine Sache nicht bedacht: Das Baby macht ja mehr als nur schlafen und essen! Plötzlich schaut sie mich zuckersüß an. Ein kleines zaghaftes Lächeln ist erkennbar, dann wird der kleine Kopf rot wie eine Tomate, die Augenbrauen ziehen sich zusammen und werden ebenfalls feuerrot, die Augen werden geschlossen, ein stummer Schrei erklingt und aus der Windel hört man nur noch Donnergrollen. Die Kacke ist am dampfen und quillt über die Windel über und wandert senffarben und leicht süßlich riechend den Rücken hoch. Und ich kann nichts weiter tun, als verzweifelt zuzusehen. Nachdem das Gewitter in der Bux endlich verstummt ist, drehe ich das Baby vorsichtig zur Seite und sehe schon diesen gelben Fleck am Rücken. Na toll. Das Baby muss nun wieder aus den Klamotten gequetscht werden...und dabei verteilt man die Kacke schööön noch weiter über den Rücken hoch Richtung Köpfchen. Da liegt nun dieses vollgekackte Baby vor mir und lächelt auch noch.

Seit der Idee spazieren zu gehen sind nun 30 Minuten vergangen und wir sind wieder am Anfang. Also schnell Baby waschen, neue Klamotten raussuchen, es wieder in die zuckersüßen Teile stecken und hoffen, dass das Babylein dicht bleibt. Geschafft. Nun sind weitere 60 Minuten vergangen.

Wickeltasche-Überlebens-Packet

So, was passiert nun? Nun müssen wir noch die Wickeltasche packen. Es werden eingepackt: Spucktücher, Windeln, Wechselsachen: Body, Strampler, Strumpfhöschen, Pulli, Jacke. Ein Mützchen darf nicht fehlen, ein Schnuller kommt mit und auch ein Ersatzschnuller. Ein Kuscheltierchen, eine Decke und noch der Ergobaby, falls das Baby nicht im Kinderwagen liegen möchte. Also, falls wir uns im Wald verirren sollten, überleben wir die erste Woche wie in einem All-In-Urlaub.

Aber jetzt schnell: wir wollen doch spazieren gehen!

Zack, selber Schuhe anziehen, Jacke an und los geht's. Ha! Denkste! Gerade als ich das Baby wieder hochnehmen möchte fängt sie an zu schreien, wie am Spieß. Der Hunger ist wieder da. War ja klar...die letzte Mahlzeit ist ja auch schon ewig her.

Also wieder hinsetzen und das Baby stillen. Alle sind angezogen, das Baby schwitzt, die Mama schwitzt aber theoretisch sind wir startklar und können nun endlich dem Drang nachgeben spazieren zu gehen.

Und wenn sie nicht spazieren gegangen sind, dann versuchen sie es immer noch.

2 Kommentare to “Spazieren mit Baby oder “Warum kacken die sich immer ein?””

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Super ge-& beschrieben! Alles richtig und zum vorallem zum lachen! Wenn man nicht gerade selbst in der Situation steckt.. Vielen Dank für die ehrlichen und witzigen Worte!

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    Cool! Danke für deinen Kommentar! :-*

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