WomenPower oder “Warum wir die besseren Männer sind, es aber nicht wissen!”

Vereinbarkeit zwischen Muttersein und Beruf

Ich selber bin Mama von zwei Kindern und hab´ festgestellt, leider zu meinem eigenen Leidwesen, dass die Vereinbarkeit zwischen Muttersein und Beruf in vielerlei Hinsicht ein richtiger Spagat ist. Oft habe ich das Gefühl, dass man als Frau, und noch schlimmer: als Mama, auf dem Arbeitsmarkt fast keine Chance hat! Nichts Neues, ich weiß!

Nach langem Hin und Her, einigen Stolpersteinen, Sackgassen, leider auch vielen Tränen aber auch ganz tollen Erfahrungen, die mich selbstbewusst gemacht haben, möchte ich dieses wichtige Thema am liebsten mit allen Mamas dieser Welt teilen. Das ist natürlich utopisch, aber wenn ich nur ein paar Frauen damit zu etwas mehr Selbstbewusstsein verhelfe, dann habe ich alles erreicht, was ich wollte!

Auf Facebook bin ich auf eine ganz tolle Frau gestoßen: Angela Graf. Sie ist Karrierecoach und Führungskraft! Ihre Arbeit und ihr Themenschwerpunkt passten, wie die berühmt-berüchtigte „Faust auf´s Auge“ zu diesem Thema… und jetzt passt auf! Sie hat einem Interview tatsächlich zugestimmt und hier ist es!

So genug gequatscht.

 

"...Frauen und vor allem arbeitende Mütter haben besonders viel Power!"

 

MamiChaos: Jetzt erstmal zu dir, Angela. Stell dich doch kurz vor. Wer bist du? Was machst du beruflich?

Angela: Ich bin 39 Jahre alt, Diplom-Psychologin und Bankerin. Den größten Anteil meiner beruflichen Zeit verbringe ich als Führungskraft im Vertrieb einer großen deutschen Bank. Freiberuflich bin ich Trainerin und Coach und mein Fokus liegt momentan auf Frauen. Einer meiner Lieblingszielgruppen sind arbeitende Mamis, einfach weil ich auch eine arbeitende Mami bin. Meine Tochter ist mittlerweile 6 Jahre alt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen und vor allem arbeitende Mütter besonders viel Power haben. Leider aber auch relativ häufig im Job untergehen.

MamiChaos: Wie kamst du auf die Idee, dich als Coach der Welt vorzustellen?

Angela: Nach meinem Studium vor ca. 12 Jahren bin ich relativ schnell zur Bank gegangen. Auch wenn mir die bankspezifischen Themen immer viel Spaß gemacht haben, blieb die Psychologie immer mein Steckenpferd.

Nun war es einfach Zeit - auch durch meine Führungserfahrung – alle meine praktischen Erfahrungen und mein Know How auch freiberuflich als Coach und Trainer zu nutzen. (lacht) Manchmal spürt man die Notwendigkeit der Veränderung einfach… Es gab im letzten Jahr eine Zeit der beruflichen Neuorientierung, die ich dazu genutzt habe, mich selbst zu reflektieren. Die Fragen „Was möchte ich? Was kann ich? Wo bin ich gut und wo kann ich meinen Beitrag leisten?“ haben mich auf den Weg gebracht. Seitdem erfüllt mich meine freiberufliche Nebentätigkeit mit viel Freude.

 

Selbstmanagement oder „Impression Management" - meine Besonderheit präsentieren

 

MamiChaos:

Du schreibst auf deiner Seite, dass deine Karriere erst „nach deiner einjährigen Elternzeit so richtig Fahrt aufgekommen hat.“ Das ist doch super selten und die meisten machen doch genau die gegenteilige Erfahrung. Wie hast du das geschafft?

Angela (lacht): Ich habe meine Besonderheit für mich genutzt. Meine „besonderen“ Erfahrungen, meine spezifischen fachlichen oder sozialen Fähigkeiten habe ich präsentiert und gut verkauft. Das nennt man Selbstmanagement oder „Impression Management“. So konnte ich entweder Kunden, meinem Vorgesetzten oder Kollegen von mir überzeugen. Und ich habe immer großes Engagement gezeigt und Verantwortung übernommen.

Außerdem muss ich sagen: ich habe einfach eine tolle Tochter! Auf sie kann ich mich total verlassen. Sie ist super selten krank, sie geht immer gerne in den Kindergarten oder jetzt in die Schule und das hilft natürlich auch, dass Fehlzeiten nicht strapaziert wurden.

 

Angela Graf - Karrierecoach

 

"...ganz stark und selbstbewusst sein..."

 

MamiChaos: Was war das dabei Anstrengendste für dich bzw. hast du auch mal selber an dir gezweifelt?

Angela: Am aller anstrengendsten war die Zeit als ich die Führungsaufgabe übernommen habe. Ich wurde zu vielen Meetings und Veranstaltungen eingeladen, die oft außerhalb meiner Arbeitszeit lagen.

Da musste ich ganz stark und selbstbewusst sein und sagen: „Entschuldigung, da kann ich nicht und kann es auch nicht möglich machen.“ Ich habe mir auch die Menschen, die die Termine gemacht haben immer zur Seite genommen und gesagt: „Ich würde gerne kommen, aber können wir das zukünftig zu einer anderen Uhrzeit machen?“ Und wenn man freundlich, aber bestimmt fragt und um Verständnis bittet, dann geht das auch.

Mein Tipp an alle Frauen, die in Teilzeit arbeiten: organisiere dich so, dass deine Arbeitszeit jede Woche gleich ist, damit sich andere darauf einstellen können. Das vereinfacht die Zusammenarbeit mit anderen sehr!

MamiChaos: Ich hab´ ja, einmal mein Kind (da hatte ich erst eins) in meinem Lebenslauf gestrichen, einfach um mal die Möglichkeit zu bekommen mich in einem Vorstellungsgespräch persönlich vorstellen zu dürfen. Und jetzt pass auf: es hat tatsächlich geklappt! Das Kind war im Lebenslauf nicht zu finden und ich habe eine Einladung nach der nächsten erhalten. Ist ein Kind wirklich so ein K.O.-Kriterium oder hatte ich einfach Pech?

Angela: Das ist eine schwierige Frage, aber ich glaube tatsächlich, dass es ganz viel mit der Einstellung des Arbeitgebers zu tun hat und auch mit seiner familiären Situation! Ich hab die Erfahrung gemacht, dass Männer oder Ehemänner von arbeitenden Müttern, eine sehr höhere Akzeptanz und auch Willen zeigen Mitarbeiterinnen einzustellen und oder auch zu befördern, die Kinder haben.

Aber ich kann aufgrund deiner Erfahrung nachvollziehen, warum du dein Kind verschwiegen hast. Und du musst tatsächlich deine Kinder im Lebenslauf nicht erwähnen! Für ein vertrauensvolles Miteinander zu dem potenziellen neuen Arbeitgeber, ist es aber wichtig, ehrlich und offen zu sein.

Irgendwann musst du im Vorstellungsgespräch die Kurve kriegen und deine persönliche Situation darlegen! Es ist immer dann ein guter Zeitpunkt, wenn du irgendwie das Gefühl hast, deine wichtigsten fachlichen und sozialen Fähigkeiten präsentiert zu haben. Es ist wichtig, dass du deutlich machen konntest: ich möchte bei DIESEM Arbeitgeber arbeiten, DIESER Job passt zu mir! Dann nutze die Situation und sage so etwas, wie: „Ich habe Kinder! Ich möchte den Job gerne in Teilzeit machen. Könnten sie sich das vorstellen?“

 

"...dem Arbeitgeber oder dem Chef ist es wichtig, dass du glaubhaft versichern kannst, dass dein Kind betreut ist."

 

MamiChaos: Genau, ich hatte das damals nur gemacht, um die schriftliche Hürde zu überwinden und überhaupt mal die Chance zu bekommen an den Tisch zukommen und mich wirklich mal vorstellen zu können. Mein Mann und ich waren in derselben Situation und haben uns beide beruflich neu orientiert. Und er wurde in seinen Vorstellungsgesprächen nicht einmal im Ansatz nach der Betreuungssituation des Kindes gefragt.

Angela (lacht): Das ist die klassische Rollenverteilung.

MamiChaos: Er bekam eine Einladung nach der Nächsten und ich nicht! Ich hatte dann einfach keinen Bock mehr und, das gebe ich auch gerne zu, fand es unfair und frustrierend!

Angela: Ich weiß, dass es für den Arbeitgeber oder den Chef wichtig ist, dass du glaubhaft versichern kannst, dass dein Kind betreut ist. Eine gewisse Flexibilität ist eben nahezu allen Arbeitgebern wichtig.

Ich war im letzten Jahr in der glücklichen Situation, mein Team komplett neu zusammenstellen zu dürften. Und es waren ganz viele Mamis dabei, die sich vorgestellt haben. Und mit „Mamis“ meine ich das absolut nicht abwertend, sondern ganz im Gegenteil!

 

"Nur ein gut gemischtes Team ist ein gutes Team!"

 

MamiChaos: Du bist ja Führungskraft, Hand auf´s Herz, stellst du lieber Männer oder Frauen ein?

Angela: Zuviel Östrogen ist schlecht und zu viel Testosteron ist auch schlecht (lacht). Nur ein gut gemischtes Team ist ein gutes Team! In der Tat habe ich im letzten Jahr von insgesamt acht Mitarbeitern fünf Frauen eingestellt. Und nur eine Frau arbeitet davon zu 100%. Alle anderen sind Teilzeitkräfte und das klappt hervorragend.

 

"...meistens immer noch die Aufgabe der Frau."

 

 

MamiChaos: Familie oder Karriere? Unter Karriere verstehe ich Karriere! Also eine Führungsposition. Muss man sich wirklich entscheiden? Und geht das überhaupt in Teilzeit?

Angela: Karriere + Familie = Glück. Diese Gleichung geht auf, davon bin ich fest überzeugt. Je nach Lebenssituation ist mal der Job und mal die Familie wichtiger. Und das hat sich bisher immer rentiert - für meine Führungskräfte, meinen Arbeitgeber und auch für mich.

Solch ein Leben macht sich aber nicht von selbst. Die Abwesenheit, bedingt durch den Job, muss tatsächlich von dir organisiert werden. Das ist meistens immer noch die Aufgabe der Frau. Es ist anstrengend und es bedarf viel Organisationstalent, Disziplin, Unterstützung durch den Ehemann, Omas und Opas, Babysittern und anderen Schul- oder Kindergartenmamis. Außerdem darfst du dich selbst nicht dabei vergessen!

MamiChaos: Arbeitest du selber in Teil- oder Vollzeit?

Angela: In Teilzeit. Ich bin jetzt in 80% und habe ganz lange auch 60 und 70% gearbeitet.

 

"...Qualitäten, die sich durch bestimmte Erfahrungen erst entwickeln."

 

MamiChaos: Ich war auf einem Vortrag eines Karrierecoaches und er sagte „mit 30 ist der Lack ab…da sinkt die Kreativität und Lernbereitschaft.“ Was sagst du dazu?

Angela: Natürlich kann es sein, dass die geistige Leistungsfähigkeit ab einem bestimmten Alter abnimmt. Das ist sehr individuell. Aber dafür gibt es andere Qualitäten, die sich durch bestimmte Erfahrungen erst entwickeln. Besonnenheit und Geduld stellt sich oft erst nach Jahren ein.

MamiChaos: Die „tatsächliche Führungsarbeit“ nimmt nur ca. 30-40% des Tages ein. Warum also sieht man so wenige Frauen in Teilzeit in der Führungsposition?

Angela: Tatsächlich gibt es weibliche Führungskräfte eher in großen Unternehmen/Konzernen. Die Frauenquote spielt uns da natürlich in die Karten. Weibliche Führungskräfte in Teilzeit müssen auch in die Organisation der Firmen passen. Aber wie viele Mamas sind freiberuflich oder selbstständig? Die vergessen wir immer. Auch diese Frauen sind Führungskräfte!

 

"Wenn sich da der ein oder andere männliche Arbeitskollege rechts und links ´ne Scheibe abschneiden würde, dann wären viele Unternehmen noch viel profitabler."

 

MamiChaos: Welche Eigenschaften haben Frauen bzw. Mamas, die uns zu perfekten Mitarbeiterinnen oder Führungskräften machen?

Angela: Da fallen mir 1000 Sachen ein. Ich versuch mich mal echt zu fokussieren, welche Qualitäten ich ganz besonders in den Vordergrund stellen möchte. Also zum einen sind arbeitende Mamas extrem organisiert. Das müssen sie einfach sein, weil ihr ganzer Tag durchstrukturiert und organisiert sein muss!

Sie sind mega engagiert, motiviert und wollen einen wertvollen Beitrag leisten. Alle Frauen, die Freude an ihrem Beruf haben, sind einfach extrem motiviert, und möchten verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen. Diese Motivation macht arbeitende Mamis zu extrem wertvollen Mitarbeitern und auch irgendwann zu Führungskräften. Dazu sind sie extrem zielorientiert und fokussieren sich auf das Wesentliche. Das Ziel wird angepeilt und es wird konsequent darauf hingearbeitet. Da gibt es bei arbeitenden Mamas keine fünfte Kaffeepause und die ausgiebige Mittagspause, sondern echtes straffes durcharbeiten. Wenn sich da der ein oder andere männliche Arbeitskollege rechts und links ´ne Scheibe abschneiden würde, dann wären viele Unternehmen noch viel profitabler (lacht).

Immer gibt es das große Argument für die ausgiebigen Kaffeepausen, dass die ja dafür da sind um sich, gerade in größeren Unternehmen, zu vernetzen und sich Infos zu holen. Arbeitende Mamis sind trotzdem extrem gut vernetzt, auch ohne die fünfte Pause am Tag. Um ihre Ziele und ihre Arbeit zu bewältigen, holen sie sich proaktiv die entscheidenden Infos.

 

"Zeig auch, dass du das Zeug hast, extrem gut zu sein!"

 

MamiChaos: Für alle arbeitenden Mamas: Welche 3 Tipps kannst du ihnen an die Hand geben?

Angela:

  • Sei dir deiner Besonderheit bewusst! Oder mach sie dir bewusst! Mach dir bewusst, wer du bist, was du kannst und wo du hin willst. Das ist ganz wichtig und echt elementar.Wenn du das einmal weißt, dann bist du ganz stark und kannst dich besonders zielorientiert weiterentwickeln.

 

  • Sag, wohin du willst! Ganz wichtig ist das Gespräch mit Deinem Chef. Es ist egal, ob du eine fachliche oder eine Führungskarriere anstrebst, DEINE Führungskraft muss es wissen! Also, wenn du nicht sprichst, dann entwickelt und verändert sich auch nichts.

 

  • Zeig auch, dass du das Zeug hast, extrem gut zu sein! Frag nach Sonderaufgaben oder melde dich für Projekte. Finde heraus, was deinem Chef besonders wichtig ist und bringe dich da ein. Es ist ein bisschen wie früher in der Schule: willst du ´ne gute Note, dann frag nach einem Referat. Und so ist es auch im Job. Such dir Sonderthemen, in denen du die Expertin wirst!

MamiChaos: Danke Angela für das tolle Interview und deine Zeit! Das war ein so tolles und entspanntes Gespräch. Ich hoffe sehr, dass einige Frauen hier etwas für sich mitnehmen können. Und wenn ihr noch mehr aufbauende und motivierende Tipps und Tricks lesen möchtet, dann folgt Angela Graf auf ihrer Facebook-Seite!

3 Kommentare to “WomenPower oder “Warum wir die besseren Männer sind, es aber nicht wissen!””

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Schöner Artikel, danke. Ich bin Mama von zwei Kindern und Ärztin und konnte einige Impulse mitnehmen. Viele Grüße!

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    Hallo Laura,
    genau DAS war meine Intention! Ich freue mich sehr, dass du aus dem Artikel etwas rausholen konntest.
    Und wenn noch mehr Interesse besteht, dann kannst du bei Angela auf der Facebook-Seite mal schauen. Dort lädt sie oft Tipps hoch, bietet aber auch Seminare an.
    Dieses Thema ist für alle berufstätigen Frauen so so wichtig!
    LG
    Olga 🙂

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Ein toller Artikel und ein sehr inspirierendes Interview! Ich bin Mama von zwei Kindern und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war und ist für mich nicht einfach zu meistern. Aus diesem Grund habe ich dieses Thema auch für meinen Blog gewählt: berufung-und-familie.de.
Alles liebe,
Susanne

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