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Fehlgeburt Teil 1

Heute vor genau zwei Jahren hat morgens, wie immer um dieselbe Uhrzeit, der Wecker geklingelt. Mein Mann und ich sind aufgestanden und ich fing an zu weinen. Denn ein, für uns, unfassbar harter Tag beginnt nun. Und der Gedanke daran zerreißt mich. Denn heute wird das kleine leblose Baby in meinem Bauch ausgeschabt.

Was war passiert?

Spulen wir ein bisschen zurück. Als wir entschieden haben ein zweites Kind zu bekommen.

Es war von Anfang an klar, dass es auf jeden Fall zwei Kinder geben wird.

Bin ich ganz entspannt an das ganze Thema "schwanger werden" rangegangen.

Beim ersten Mal bin ich quasi vom angucken schwanger geworden...ok, so schlimm war es nicht, wir mussten schon noch etwas dafür tun. Aber ich hatte die Pille genommen und bin nach Absetzen der Pille direkt schwanger geworden. Das heißt, ich hatte erst einmal meine ganz normale Abbruchblutung und habe dann auf das Einsetzen der natürlichen Regel gewartet. Und gewartet und gewartet und gewartet. Nix passierte, außer diesem ganz komischen Ziehen "da unten", als ob da meine Lieblingstante Rosie bald kommt. Aber die Tante kam und kam nicht.

Und da Geduld ja definitiv zu meinen Stärken zählt - nicht, bin ich zum Rossmann gelatscht. Da ich aber neben meiner *räusper* Engelsgeduld, ein absolutes Sparschwein bin und das ist mein völliger ernst, stand ich da vor den ganzen super teuren Schwangerschaftstest und hab´gedacht: "Ne, Neee, Nein! Ich geb´ doch jetzt keine 10€ für so´n blöden Streifen aus, auf den ich nur drauf pinkel! Ne!" Kaum drehte ich mich weg, schlug das Schicksal zu! Ein Schwangerschaftstest im Angebot für popelige 2,99€. Zack - meiner!

Ich also damit nach Hause, ab auf´s Klo und draufpischern.

Nie im Leben habe ich damit gerechnet, dass der positiv wird. Aber genau so war es. Dann kam eine entspannte Schwangerschaft und so weiter und so fort.

Und genauso bin ich dann an das zweite Kind rangegangen. Entspannt - locker - was sollte schon passieren?

Die erste Fehlgeburt

Dann ein paar Monate später. Ich hatte es im Gefühl. Es hat tatsächlich geklappt. Als dann noch meine Regel ausgeblieben war und ich endlich auf dieses Stäbchen pinkeln konnte, was schon wochenlang im Badezimmerschrank rumflog - war klar: Ich bin schwanger! Das Abenteuer kann beginnen.

Dass es dann leider schneller vorbei war noch bevor ich es richtig realisieren konnte, das war wirklich wirklich blöd! Hätte ich den Test nicht gemacht, ich hätte vermutet, dass meine Periode einfach 3 Tage später gekommen ist.

Da ich aber schon wusste, dass ich schwanger war, sind wir, nachdem ich die Blutungen bemerkt habe, direkt zum Krankenhaus und dort - ist ja klar - kann natürlich niemand in so einer frühen Schwangerschaftswoche helfen. Selbst auf dem Ultraschallbild war nichts zu sehen. Die Blutungen wurden stärker und wir akzeptierten, dass es leider nicht geklappt hat.

Aber wir geben nicht auf

und machen weiter. Der Wunsch nach einem zweiten Kind ist einfach zu stark und man hört und liest ja so oft, dass es so früh einfach passieren kann. Diese Fehlgeburt konnte ich relativ gut verarbeiten und anschließend abhaken. Vielleicht auch nur deswegen, weil auf dem Ultraschall nicht mal ein Pünktchen zu sehen war.

Und dann wieder mehrere Monate später, es ist Oktober 2015, der nächste Schwangerschaftstest ist positiv. Und meine Gedanken fingen an zu kreisen: Wird diesmal alles gut gehen? Hält sich das Babylein?Die Angst war einfach da.

Aber nach einem kurzen in mich gehen, war klar: Was soll schon schief gehen? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit das IRGENDWAS schief geht? Ich bin 28 Jahre alt. Ich rauche nicht und trinke auch nicht übermäßig stark...mal ganz davon abgesehen, haben wir ja schon eine Tochter. Wo und wann soll man da trinken? Wir ernähren uns gesund bla bla bla..also zusammenfassend: Es passt einfach alles!

Und dann kommt der Termin bei meiner Frauenärztin. Wir sind nun zwei Wochen weiter. Ich klettere auf diesen Stuhl und meine Ärztin macht einen Ultraschall. Mein Bauch verkrampft sich und ich habe einfach Angst, dass etwas nicht stimmt. Plötzlich sieht man da diese kleine Mini-Bohne. Und in dieser kleinen Bohne, da blubbert ganz fleißig ein Herzchen. Puuhh....alles wird gut gehen! Wir haben ein Ultraschallbild bekommen und ich war einfach nur erleichtert. Die Schwangerschaft konnte nun endlich beginnen.

Der nächste Termin

Es ist ein Dienstag und ich bin nun in der 10 Ssw. Nun müsste man ein kleines Gummibärchen sehen und ich freute mich.

Aber ganz tief in mir drin, da hatte ich so ein ganz merkwürdiges Gefühl. Ich schob es auf die Fehlgeburt vorher und redete mir ein, dass das einfach nur die Angst ist, die sich da einen Weg sucht. Also verdrängte ich sie, so gut es eben ging. Mein Mann hatte an diesem Tag einen Geschäftstermin in Hamburg und konnte leider nicht an diesem zweiten Termin dabei sein. Und auch das machte mir ein ganz merkwürdiges Gefühl.

Im Wartezimmer wurde ich immer nervöser. Und das einzige, was ich mir selber sagte war: "Beim letzten Termin war alles gut. Das Herzchen haat geschlagen. Nun reiß dich zusammen, Olga!" Ich klammerte mich förmlich an diesen Gedanken. "Bitte bitte, lass einfach alles gut sein."

Dann kam ich dran.

Ich setzte mich wieder auf diesen Stuhl und meine Ärzte machte einen Ultraschall. Ich sah auf den Bildschirm und suchte wie verrückt nach meinem Baby-Gummibärchen. Aber ich sah es nicht. Die Ärztin schaute auch schon so ernst und drückte dann ein paar Knöpfe auf dem Ultraschallgerät und plötzlich tauchte es auf. Mein kleines süßes Baby. 2 cm groß...aber es bewegte sich nicht. Kein Herzschlag - einfach nur ein großes nichts.

Und Stille.

Es lag da ganz friedlich. So klein und gekrümmt, wie sie eben Anfang der 10. Ssw aussehen sollten.

Meine Ärztin atmete aus und sagte dann: "Ich kann leider keinen Herzschlag erkennen. Es tut mir leid."

Und ich dachte nur: "Nein, nein, nein! Das kann doch hier gerade nicht echt sein?!"

Ich war am Boden zerstört. Ich konnte es nicht glauben. Das bin doch nicht ich, der sie das gerade gesagt hat! Warum ich?

Ich zog mich wieder an und ging in den Nebenraum, um meinen Mann anzurufen. Als es klingelte wusste ich absolut nicht, WAS ich ihm eigentlich sagen wollte.

Unser Baby ist tot?

Was ist das für eine Aussage? Das kann ich nicht sagen...als er abnimmt, sage ich es trotzdem.

Und gleichzeitig mein Bauchgefühl, das sich meldete und sagte "Na..hab´ich dir doch gesagt, es stimmt etwas nicht."

Ich fuhr nach Hause und habe einfach nur geweint. Stundenlang. Bis ich meine Tochter vom Kindergarten abgeholt habe.

Ich fühlte mich, wie in einer Wolke. Alles war so unwirklich. Ich konnte es nicht verstehen. Ich wollte es nicht verstehen!

16. Dezember 2015

Der Wecker klingelt. Heute ist der Tag. Heute wird mein Baby ausgeschabt.

Fehlgeburt - mein Erfahrungsbericht Teil 1
Fehlgeburt - mein Erfahrungsbericht Teil 1

4 Comment

  1. ok, ich lese eigentlich sehr selten Blogs. aber dieser Beitrag… er rührt mich zu tränen. wir fehlen leider die Worte um auszudrücken was ich eigentlich sagen will. es tut mir um euch und euer Gummibärchen soo furchtbar leid und ihr seit so unglaublich Stark dass ihr damit in die Öffentlichkeit geht. du hast das so wunderschön geschrieben ❤😢

    1. Liebe Carina, vielen vielen lieben Dank! Ja, das war wirklich so unglaublich hart für uns. Und als ich diesen Artikel online gestellt habe, musste ich auch noch einmal weinen. Es tut halt trotzdem immer noch weh. Und das, obwohl es ja schon 2 Jahre her ist.

  2. Ich hatte 2 Fehlgeburten, allerdings beide ohne Ausschabung. Die fortschreitende Technik ist in dem Zusammenhang doch wirklich Fluch und Segen zugleich. Früher hätte man es einfach nicht erfahren, dass da schon etwas war. Manchmal wäre das wohl leichter.

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